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Elektronischer Kompass für Segelboote — Fluxgate vs. Gyro vs. Attitüdenzentrale 2026

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 3 Technologien im Einsatz: magnetisches Fluxgate (Einstieg, 80 % der Fahrtenseglerflotte), Faserkreisel (Regattasport, IMOCA), 9-Achsen-Attitüdenzentrale (Moderne ab 2020+, aktueller Standard).
  • Navico Precision 9 = Standard 2026. Kombi aus Magnetfeldsensor + MEMS-Kreisel + 3-Achsen-Beschleunigungssensor für ~ 533 € zzgl. MwSt. Genauigkeit Kurs ±2° im Stand, ±5° auf rauer See. Native Kompatibilität mit B&G/Simrad/Lowrance.
  • Raymarine Evolution: Fluxgate-Kompass Raymarine T909 (~ 183 € zzgl. MwSt) kompatibel mit Axiom + EV-100/200/400.
  • Offshore-Regatta: Madintec MAD Sensor Motion (Attitüdenzentrale Regatta ~ 850 € zzgl. MwSt) oder KVH-Faserkreisel (High-End, 3.000–5.000 €).
  • Werkstatturteil: Precision 9 für 80 % der Umrüstungen von Segelbooten 30–50 Fuß. Raymarine T909 bei reinem Raymarine-Ökosystem. Madintec nur bei ernsthafter IRC-Regatta.

Der elektronische Kompass ist das Orientierungsorgan des Segelboots. Er versorgt den Autopiloten mit Kursdaten, die Bildschirme mit Heading, das Radar mit Route. Ohne guten Kompass kein guter Autopilot — das ist das Erste, was man prüft, wenn ein Autopilot oszilliert. Dieser Artikel unterscheidet die 3 verfügbaren Technologien und die bei Skysat geführten Marken.

Für den Autopiloten, der den Kompass nutzt, siehe Autopilot B&G vs. Raymarine.


Die Rolle des Kompasses in der Autopilot-Kette

Der Kompass sendet kontinuierlich (10–20 Hz) drei kritische Informationen:

  1. Magnetischer Kurs (Heading): Richtung, in die der Bug zeigt. Versorgt den Autopiloten im Modus „Compass“ und das Radar zur Orientierung.
  2. Krängung (Heel): seitlicher Neigungswinkel. Nützlich für die Kompensation des Autopiloten auf rauer See.
  3. Stampfen (Pitch): longitudinaler Neigungswinkel. Kompensiert die Korrekturen des Autopiloten beim Wellenpumpen.

Magnetisches Fluxgate — technische Details

Elektromagnetischer Sensor zur Messung des Erdmagnetfelds. Historische Technologie seit den 1970er-Jahren.

  • Genauigkeit: ±2° auf ruhigem Wasser, Drift bis ±5–8° auf rauer See (magnetische Störeinflüsse + Beschleunigung).
  • Frequenz: 5–10 Hz.
  • Grenzen: empfindlich gegenüber nahen Metallmassen (Motor, Edelstahl-Stagen, Batterien). Installation mit Abstand ≥ 1 m zu diesen Massen.
  • Marken: Raymarine T909 (~ 183 € zzgl. MwSt), Garmin GHC50, B&G H5000 RC42.

Faserkreisel — technische Details

Faseroptischer Kreisel misst Rotationen nach dem Sagnac-Effekt. Technologie aus der militärischen Trägheitsnavigation.

  • Genauigkeit: ±0,1° immun gegen magnetische Störungen.
  • Frequenz: 50–100 Hz.
  • Grenzen: langsame Drift (1–3°/h) ohne externe Referenz (GPS-Heading).
  • Marken: KVH (USA), Furuno (Japan).
  • Preis: 3.000–15.000 € zzgl. MwSt. Nur für Regatta/kommerziellen Einsatz.

9-Achsen-Attitüdenzentrale — die Moderne

Kombination aus 3-Achsen-Magnetfeldsensor + 3-Achsen-MEMS-Kreisel + 3-Achsen-Beschleunigungssensor in einem Gehäuse. Softwarebasierte Fusion für Kurs + Attitüde + Beschleunigung.

Technischer Vergleich

Modell Technologie Genauigkeit Frequenz Preis zzgl. MwSt
Raymarine T909 Fluxgate ±2° im Stand, ±8° auf See 10 Hz ~ 183 €
Navico Precision 9 9-Achsen-Zentrale ±2° im Stand, ±5° auf See 10 Hz ~ 533 €
B&G H5000 RC42 Fluxgate ±2° im Stand, ±8° auf See 10 Hz ~ 850 €
Madintec MAD Sensor Motion 9-Achsen-Regatta-Zentrale ±1° im Stand, ±3° auf See 50 Hz ~ 850 €
KVH-Faserkreisel Faserkreisel ±0,1° 100 Hz ~ 5.000 €

Werkstatturteil nach Programm

Küstencross 30–40 Fuß — einfaches Fluxgate

Bei bestehendem Raymarine-Evolution-Autopilot: T909 (~ 183 € zzgl. MwSt) reicht aus. Bei Komplettumbau: Precision 9 von Anfang an für langfristige Stabilität.

Hochseetörn 40–50 Fuß — Precision 9

Werkstattstandard Skysat. ~ 533 € zzgl. MwSt, native Integration mit B&G + Lowrance + Simrad + Raymarine über N2K. Stabil auf rauer See.

Offshore-Regatta IRC / RORC — Precision 9 oder Madintec

Precision 9 reicht bis auf Club-Niveau IRC. Madintec MAD Sensor Motion für ernsthafte IRC-Regatten und Offshore mit präzisen Polaren.

IMOCA / America’s Cup — Faserkreisel KVH

Reine Regattatechnologie auf höchstem Niveau. Investition 5.000+ € zzgl. MwSt, aber unübertroffene Genauigkeit.

Installation und Kalibrierung

Werkstattregeln — Kompassinstallation

  1. Position: Mitte des Bootes, auf halber Höhe, mit Abstand ≥ 1 m zu allen Metallmassen (Motor, Batterien, Stagen).
  2. Ausrichtung: Markierung am Sensor beachten (Pfeil in Richtung Bug).
  3. Kalibrierung: nach Installation zwingend erforderlich. 2–3 vollständige Runden um das Boot auf ruhigem Wasser bei 2–3 Knoten ohne Strömung. Der Kompass lernt die magnetische Signatur des Bootes.
  4. Deklinationsausgleich: lokale Deklination einstellen (Zone Brest = -1°, Antillen = -15°) über die Software.
  5. Neukalibrierung: alle 2–3 Jahre oder nach wesentlichen Änderungen an Bord (z. B. neue Batterien, Antenne, Metall-Solarmodule).

FAQ — Elektronischer Kompass

Reicht ein magnetischer Kompass im Cockpit?

Nein, das ist ergänzend. Der magnetische Kompass im Cockpit ist für die visuelle Sicherheit vorgeschrieben (Division 240). Der elektronische Kompass versorgt den Autopiloten und den Kartenplotter. Beide sind erforderlich.

Ersetzt GPS-Heading den Kompass?

Nein. GPS liefert den COG (Course Over Ground = Kurs über Grund), nicht den HDG (Heading = Kurs durchs Wasser). Entscheidender Unterschied bei Strömung. Der Kompass ist zusätzlich zum GPS zwingend erforderlich.

Warum driftet mein Kompass auf rauer See?

Fluxgate allein ist anfällig für Beschleunigungen und bewegte Metallmassen. Kompensation durch 9-Achsen-Zentrale (Precision 9), die Beschleunigungen über integrierte Kreisel- und Beschleunigungssensoren filtert.

Wie oft muss kalibriert werden?

Erstkalibrierung zwingend. Neukalibrierung alle 2–3 Jahre oder nach wesentlichen Änderungen an Bord. Die magnetische Signatur des Bootes ändert sich langsam durch Nacharbeiten (Korrosion), Lackierung (metallhaltige Farbe) oder Hinzufügen von Eisenmaterial.

Ist eine Attitüdenzentrale für den Autopiloten nützlich?

Ja. Der Autopilot erhält Kurs + Krängung + Stampfen, was ihm ermöglicht, auf rauer See intelligent zu kompensieren. Dokumentierte Reduktion unnötiger Korrekturen um 30–50 %.

Skysat vertreibt B&G/Navico, Raymarine, Garmin und Madintec. Preise zzgl. MwSt 2026, Angaben des autorisierten Händlers.

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