Das Wichtigste in 30 Sekunden
- NKE Gyropilot 3 = französisches IMOCA/Class40-Erbe. Französischer Rechner, 3D-Windsensoren, native Integration von Polaren. Seit den 2000er-Jahren Standard im französischen Rennsegelsport. Kompatibel mit fast allen Antrieben.
- B&G H5000 = internationaler Standard von RORC, America’s Cup. CPU Hydra (Einstieg) oder Performance (reines Rennsystem), ultrafeine Integration der WS720/WS730-Ultraschall-Windsensoren 3D, Laylines und Echtzeit-Polaren.
- Unterschiedliche Philosophie: NKE = offenes System (Integration von Drittanbietern wie MAD Brain Madintec). B&G = geschlossenes Ökosystem (Zeus + H5000 + WS720 + Triton² fest miteinander verknüpft).
- Komplettsystem-Budget: NKE Gyropilot 3 + Sensoren = ~ 8.000–12.000 € zzgl. MwSt. B&G H5000 CPU Performance + Sensoren = ~ 6.500–9.500 € zzgl. MwSt. Der Preisunterschied bei NKE ist durch die höhere Flexibilität im Rennbetrieb gerechtfertigt.
- Werkstatturteil: IMOCA / Class40 / Mini = überwiegend NKE. IRC / RORC / America’s Cup = überwiegend B&G. Performance-Cruising = B&G (bessere Integration für Nicht-Spezialisten dank Zeus 3S).
Der Rennsegel-Autopilot ist kein stärkerer Cruising-Autopilot. Es handelt sich um ein integriertes System, das seine Reaktionen in Echtzeit an die Polare des Bootes, den wahren Windwinkel, die 3D-Wellen und die berechnete Layline anpasst. Zwei Ökosysteme dominieren diesen Leistungsbereich: NKE Marine Electronics und B&G H5000.
Dieser Artikel unterscheidet die beiden Philosophien, stellt die zentralen Komponenten vor und gibt ein Werkstatturteil nach Rennprogramm. Zur Auswahl des physischen Antriebs siehe Hydraulik- vs. elektromechanischer Antrieb.
Die beiden Philosophien — offen vs. geschlossen
Zwei Ansätze stehen sich seit 20 Jahren im Rennsegelsport gegenüber:
- NKE = offenes System. Der Gyropilot-3-Rechner ist kompatibel mit fast allen Antrieben (Raymarine, Lecomble & Schmitt, Simrad DD), allen Windsensoren (NKE 3D HR II, B&G WS720, Calypso ultra-kompakt) und allen Lagekontrollsensoren (NKE Motion, Madintec MAD Sensor Motion). Diese Flexibilität ist seit den 1990er-Jahren das Markenzeichen des französischen Hochseerennsports.
- B&G = geschlossenes Ökosystem. Die H5000-CPU kommuniziert nativ mit B&G-Sensoren (WS720/WS730), den Displays Triton² und 30/30, dem Kartenplotter Zeus 3S und dem Kompass Precision 9. Alles funktioniert nahtlos innerhalb des Ökosystems, ein Verlassen ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich.
Die Wahl hängt vom Programm ab: Reine Rennprogramme mit individuellen Lösungen (IMOCA, Class40) tendieren zu NKE. IRC-Rennen + Performance-Cruising tendieren zu B&G.
NKE Gyropilot 3 — technische Details
NKE Marine Electronics (Hennebont, Frankreich) stattet die überwiegende Mehrheit der französischen IMOCA, Class40, Mini und Figaro aus. Der Gyropilot 3 ist der zentrale Rechner des Ökosystems, 2018 eingeführt (3. Generation).
- Antriebskompatibilität: universell über MAD Controller Madintec oder direkte Anbindung an NKE-Antriebe.
- Empfohlene Sensoren: NKE 3D HR II (Wind), NKE Motion (Lagekontrolle), NKE Speed/Depth, NKE Compass.
- Polaren: Echtzeit-Integration, Ziel-VMG-Berechnung, Layline-Projektion mit einstellbarer Sicherheitsspanne.
- Software: NKE Toplink + Multigraphic-Display zur Konfiguration und Echtzeitüberwachung.
- Spezifische Modi: „True Wind“, „Apparent Wind“, „Compass“, „Wave“ (Wellen-Asservierung). Der Wave-Modus ist eine der Marktreferenzen für raue See.
B&G H5000 — technische Details
Das H5000 ist das B&G-Ökosystem für Performance-Segeln, 2013 eingeführt, 2024 ausgereift.
- CPU Hydra (~ 1.139 € zzgl. MwSt): Einstiegsmodell für Performance-Cruising und IRC-Rennen auf Club-Niveau.
- CPU Performance (~ 2.899 € zzgl. MwSt): ernsthaftes IRC-Rennen, RORC, feine Polaren.
- Prozessor Hercules (~ 2.908 € zzgl. MwSt): America’s Cup, ultraschnelle Layline-Berechnung, Integration hochwertiger Sensoren.
- Empfohlene Sensoren: WS720/WS720S/WS730S Ultraschall-Windsensoren 3D, Triton²- und 30/30-Displays, Precision-9-Kompass/Lagekontrolle.
- Integration Zeus 3S: Der Zeus-3S-Kartenplotter (12–16 Zoll) zeigt Polaren, Laylines und Echtwind als Overlay auf der Karte an. Europäischer IRC-Rennstandard.
3D-Windsensoren — Leistungsunterschiede
Der Windsensor ist das entscheidende Kriterium für die Autopilot-Qualität. Siehe unseren Vergleich mechanischer vs. Ultraschall-Windsensoren.
- NKE 3D HR II: vertikaler Ultraschall-Windsensor 3D, 10 Hz, Genauigkeit ±0,3°, native Integration in NKE Toplink.
- B&G WS720S Ocean spec: vertikaler Ultraschall-Windsensor 3D 1,05 m, 10 Hz, Genauigkeit ±0,3°, native Integration in H5000.
- B&G WS730S Ocean spec: vertikaler Ultraschall-Windsensor 3D 1,4 m, 20 Hz, Genauigkeit ±0,3° + Luftdrucksensor.
Im Praxiseinsatz sind beide Sensoren in der reinen Performance gleichwertig. Der Unterschied liegt in der nachgelagerten Software-Integration: NKE Toplink für präzise Rennvisualisierung; B&G H5000 + Zeus für benutzerfreundliche Performance-Cruising-Integration.
Technischer Vergleich
| Kriterium | NKE Gyropilot 3 | B&G H5000 CPU Performance |
|---|---|---|
| Preis CPU zzgl. MwSt | ~ 3.500 € | ~ 2.899 € |
| Antriebskompatibilität | Universell | B&G Standard, andere über N2K |
| Empfohlener Windsensor | NKE 3D HR II | WS720S / WS730S |
| Asservierungsfrequenz | 10 Hz | 10–20 Hz |
| Wave-Modus (3D-Wellen) | Ja (Marktstandard) | Ja (seit 2022) |
| Layline in Echtzeit | Ja (Toplink) | Ja (Zeus-3S-Overlay) |
| Integrierte Polaren | Ja (manuelle Eingabe oder ORC) | Ja (Eingabe + ORC-Import) |
| Dominantes Ökosystem | IMOCA, Class40, Mini, Figaro | IRC, RORC, America’s Cup |
| Benutzer-Software | NKE Toplink | B&G-App + Zeus 3S |
| Kundendienst Frankreich | Hennebont (NKE direkt) | B&G-FR-Netzwerk |
Werkstatturteil nach Programm
IMOCA / Class40 / Mini / Figaro / französischer Hochseerennsport
NKE Gyropilot 3 dominiert (80 % der französischen Rennflotte). Integration über MAD Brain Box Madintec für automatisierte Strategie. Komplettsystem-Budget ~ 12.000–18.000 € zzgl. MwSt installiert.
IRC / RORC / internationaler Hochseerennsport
B&G H5000 CPU Performance dominiert. Integration Zeus 3S (12–16 Zoll) für Kurs-/Layline-/Polaren-Rückmeldung an den Rudergänger. Budget ~ 8.000–12.000 € zzgl. MwSt.
America’s Cup
B&G Hercules (Prozessor höherwertig als H5000 CPU Performance). Komplettsystem-Budget ~ 20.000–40.000 € zzgl. MwSt (inkl. hochwertiger Sensoren).
Performance-Cruising (35–50 Fuß, kein Rennbetrieb)
B&G H5000 CPU Hydra + Zeus 3S + WS320 = ~ 5.500–7.000 € zzgl. MwSt. Für Club-Regatten und Hochseerennfahrten mehr als ausreichend.
Integration Madintec + weitere Drittanbieter
Das NKE-Ökosystem öffnet sich stark für Madintec:
- MAD Brain Box (3.950 € zzgl. MwSt): fortschrittlicher Navigationsrechner, automatisierte Strategie-Berechnung.
- MADBrain Super-pilote (6.000 € zzgl. MwSt): Performance-Piloten-Software.
- MADBrain Wind (825 € zzgl. MwSt): Echtzeit-Berechnung des atmosphärischen Winds.
- MAD Controller (2.550 € zzgl. MwSt): universeller Antriebscontroller.
Bei B&G ist die Drittanbieter-Integration eingeschränkter — der Preis für das geschlossene Ökosystem. Möglich über NMEA 2000 (Drittanbieter-Sensoren), jedoch mit Verlust der feinen Software-Integration.
FAQ — Autopilot im Rennbetrieb
Ist NKE mit B&G-Antrieben kompatibel?
Ja, über die MAD-Controller-Schnittstelle Madintec. Der Gyropilot 3 steuert B&G-Hydraulikantriebe T1/T2 problemlos an. Das ist die offene Flexibilität von NKE.
Kann man während der Saison von B&G H5000 auf NKE umsteigen?
Aufwendig. CPU + Windsensoren + Displays müssen ersetzt werden. Mit 15–25 Werktagen Arbeitsaufwand und 8.000–12.000 € zzgl. MwSt Materialkosten. Besser zwischen zwei Wintersaison umrüsten.
Wave-Modus NKE vs. B&G — gibt es echte Unterschiede?
Der NKE Wave-Modus ist seit 2010 die Marktreferenz mit Feinabstimmung über Jahrzehnte im IMOCA-Rennbetrieb. B&G hat 2022 mit eigenem Algorithmus aufgeholt. Im Praxiseinsatz hat NKE einen leichten Vorteil in tropischer, rauer See (bereits gut durchgearbeitet), B&G glänzt in der Nordsee/kürzerer Dünung.
Polaren: manuelle Eingabe oder ORC-Import?
Beide Systeme akzeptieren ORC-Import (.pol). Nach jeder Fahrt wird die manuelle Eingabe für eine feine Kalibrierung empfohlen (Korrektur realer Abweichungen). NKE Toplink und die B&G-App speichern beide nach Kurs und Bedingungen.
Welche Batterie für den Autopiloten bei einer Transat?
Der Autopilot verbraucht 2–4 A im Cruising-Betrieb, 4–8 A im Rennbetrieb bei rauer See. Bei 14 Tagen sind das 1.000–3.000 Ah kumuliert. Siehe unseren Artikel zur Dimensionierung der Lithium-Batterie. Mindestens 400 Ah nutzbare Kapazität speziell für Autopilot + Verbraucher einplanen.
3 konkrete Werkstattfälle — Auswahl Autopilot für Performance
Fall 1 — IMOCA Initiatives-Cœur, Komplett-Refit 2024
Vollständiges NKE-Gyropilot-3-System: Windsensor NKE 3D HR II + Lagekontrolle NKE Motion + Display NKE Multigraphic. Kopplung mit MAD Brain Box Madintec für automatisierte Strategie + MADBrain Modes Super-pilote. Hardware-Budget ~ 22.000 € zzgl. MwSt (ohne Arbeitskosten). Wave-Modus konfiguriert für Nonstop-Transat um Kap Hoorn — bestätigte Performance mit 1.200 Ruderzyklen/Stunde bei rauer See.
Fall 2 — Class40 Crédit Mutuel (Performance-Cruising)
Mix aus B&G H5000 CPU Performance + Sensoren WS720S + Display Zeus 3S (12 Zoll). Autopilot nativ über H5000 gesteuert, Polaren über ORC importiert, Laylines in Echtzeit auf Zeus. Gesamtinstallation ~ 15.000 € zzgl. MwSt. Validiert beim Rolex Fastnet 2025: Autopilot-Leistung vergleichbar mit NKE in der Nordsee.
Fall 3 — First 36.7 Club-Racing IRC
Mittelklasse-Lösung: H5000 CPU Hydra (~ 1.140 € zzgl. MwSt) + drahtloser WS320 (~ 449 € zzgl. MwSt) + Displays Triton². Gesamtsystem ~ 4.200 € zzgl. MwSt. Regatta Coupe d’Aix 2025: Standard-Autopilot zu 100 % im Match-Race ohne Eingriff der Crew.
Ausgeschlossene Alternativen — nicht berücksichtigte Lösungen
- Raymarine Evolution: Hervorragend für komfortables Cruising, unzureichend für Rennbetrieb. Fehlende Feinabstimmung bei Polaren- und Layline-Berechnung. Gut für Küsten- und komfortables Hochseecruising, nicht für Regatten.
- Garmin Reactor 40: Konzipiert für Hochseeangeln und Motor-Yachten. Gute Autopilot-Leistung im Cruising, aber ungeeignet für Rennsegelsport jenseits von IRC-Club-Niveau.
- DIY-Autopilot mit Arduino/Raspberry: Technisch interessante Bastellösungen, aber ohne Marine-Zertifizierung, ohne Kundendienst, ohne Integration professioneller Sensoren. Für Bastler interessant, nicht für Hochseesicherheit.
- Autopilot nur auf GPS-Basis (ohne Kompass): Berechnung über GPS-Spur = inhärente Verzögerung von 5–10 Sekunden. Unbrauchbar im reinen Rennbetrieb.
Entwicklung 2026 — was gibt es Neues bei NKE und B&G
- NKE: Firmware-Update Gyropilot 3 im März 2026 mit neuem Modus „Stabilisierter Echter Wind“, der kurze Böen herausfiltert — nützlich für wechselnde Crews zur Stabilisierung des Rudergefühls.
- B&G: Einführung H5000 v3.5 mit WindOpt-Polarenimport (proprietärer Algorithmus, der die Polare an den historischen Seegang des Bootes anpasst). Kostenloses Upgrade für bestehende H5000 Performance.
- Hercules-Prozessor: Geplante Weiterentwicklung 2027 mit Integration von Wind + Strömung + Wellen (Berechnung „absoluter wahrer Wind“ durch Kompensation der lokalen Strömung, gemessen über differentielles GPS).
Skysat vertreibt B&G, NKE Marine Electronics und Madintec. Dieser Artikel basiert auf unserer Erfahrung mit über 30 Autopilot-Installationen im Rennsegeln 2020–2026. Preise zzgl. MwSt, Stand 2026 als Händlerangabe.

