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NKE Gyropilot vs B&G H5000 — Autopilot für Rennsegelyachten 2026

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • NKE Gyropilot 3 = französisches IMOCA/Class40-Erbe. Französischer Rechner, 3D-Windsensoren, native Polarenintegration. Seit den 2000er-Jahren Standard der französischen Hochseesegler. Kompatibel mit fast allen Antrieben.
  • B&G H5000 = internationaler RORC-/Amerika-Cup-Standard. Achtung auf die Terminologie: Das H5000 CPU (Hydra als Einstiegsmodell, Performance für reine Regattasteuerung) ist kein separater Autopilot-Rechner, sondern ein Instrumentenprozessor, der auch die Regattasteuerungsfunktion hostet — es berechnet den wahren Wind, Polaren, Laylines und steuert das Ruder an. Ultrafeine Integration mit WS720/WS730 Ultraschall-3D-Sensoren.
  • Unterschiedliche Philosophie: NKE = offenes System (Integration über Drittanbieter wie MAD Brain von Madintec). B&G = geschlossenes Ökosystem (Zeus + H5000 + WS720 + Triton² fest miteinander verknüpft).
  • Kosten für ein vollständiges System: NKE Gyropilot 3 + Sensoren = ~ 8.000–12.000 € zzgl. MwSt. B&G H5000 CPU Performance + Sensoren = ~ 6.500–9.500 € zzgl. MwSt. Der Aufpreis bei NKE ist durch die Flexibilität für Regatten gerechtfertigt.
  • Werkstatturteil: IMOCA / Class40 / Mini = überwiegend NKE. IRC / RORC / Amerika-Cup = überwiegend B&G. Performance-Kreuzfahrten = B&G (bessere Integration Zeus 3S für nicht-spezialisierte Nutzer).

Der Regattautopilot ist nicht der Kreuzfahrtpilot mit mehr Leistung. Es handelt sich um ein integriertes System, das seine Reaktionen in Echtzeit an die Polare des Bootes, den wahren Windwinkel, die 3D-Wellen und die berechnete Layline anpasst. Zwei Ökosysteme dominieren diesen Leistungsbereich: NKE Marine Electronics und B&G H5000.

Eine präzise Begriffsabgrenzung ist vor dem Vergleich notwendig, da die beiden Marken ihre Hardware unterschiedlich einordnen. Bei NKE ist der Gyropilot 3 ein dedizierter Autopilot-Rechner: Sein Daseinszweck ist das Steuern des Bootes, und er wird an eine bestehende Instrumentenzentrale angebunden. Bei B&G ist der H5000 CPU zunächst ein Instrumentenprozessor (Wind, Geschwindigkeit, Tiefe, Polaren, Laylines), der auch die Regattasteuerungsfunktion integriert: Im Regattabetrieb ist er das Steuerungsgehirn von B&G — kein separates Gehäuse. Verglichen werden also zwei Regattasteuerungs-Ökosysteme, nicht zwei Objekte derselben Art. Dieser Artikel unterscheidet die beiden Philosophien, stellt die zentralen Komponenten vor und gibt ein Urteil nach Regattaprogramm. Für die Auswahl des physischen Antriebs siehe Hydraulik- vs. elektromechanischer Antrieb.


Die beiden Philosophien — offen vs. integriert

Zwei Ansätze stehen sich seit 20 Jahren im Regattasegeln gegenüber:

  • NKE = offenes System. Der Gyropilot-3-Rechner ist kompatibel mit fast allen Antrieben am Markt (Raymarine, Lecomble & Schmitt, Simrad DD), allen Windsensoren (NKE 3D HR II, B&G WS720, Calypso ultra-compact) und allen Lagezentralen (NKE Motion, Madintec MAD Sensor Motion). Diese Flexibilität ist seit den 1990er-Jahren das Markenzeichen des französischen Hochseesegelns.
  • B&G = geschlossenes Ökosystem. Das H5000 CPU ist der Instrumentenprozessor, der auch die Regattasteuerung hostet: Er kommuniziert nativ mit den B&G-Sensoren (WS720/WS730), den Displays Triton² und 30/30, dem Kartenplotter Zeus 3S und dem Kompass/Lagezentrum Precision 9. Dieselbe Einheit berechnet den Wind und steuert das Ruder an — alles funktioniert perfekt innerhalb des Ökosystems, ein Verlassen ist jedoch schwierig. Für die Kreuzfahrt ohne Regattabetrieb wäre ohnehin ein dedizierter Autopilot wie der NAC-3 die bessere Wahl; hier geht es um Regattaprogramme, bei denen das H5000 an seinem Platz ist.

Die Wahl hängt vom Programm ab: Reine Regatten mit Custom-Lösungen (IMOCA, Class40) tendieren zu NKE. IRC-Regatten + Performance-Kreuzfahrten tendieren zu B&G.

NKE Gyropilot 3 — technische Details

NKE Marine Electronics (Hennebont, Frankreich) stattet die überwiegende Mehrheit der französischen IMOCA-, Class40-, Mini- und Figaro-Boote aus. Der Gyropilot 3 ist der zentrale Rechner des Ökosystems, 2018 eingeführt (Generation 3).

  • Antriebskompatibilität: universell über die MAD-Controller-Schnittstelle von Madintec oder direkt an NKE-Antriebe.
  • Empfohlene Sensoren: NKE 3D HR II (Wind), NKE Motion (Lagezentrum), NKE Speed/Depth, NKE Compass.
  • Polaren: Echtzeitintegration, Berechnung der Ziel-VMG, projizierte Layline mit einstellbarer Sicherheitsspanne.
  • Software: NKE Toplink + Multigraphic-Display für Konfiguration und Echtzeit-Monitoring.
  • Spezifische Steuerungsmodi: „True Wind“, „Apparent Wind“, „Compass“, „Wave“ (Wellensteuerung). Der Wave-Modus ist eine der Marktreferenzen für raue See.

B&G H5000 — technische Details

Das H5000 ist das B&G-Instrumentenökosystem für Performance-Segeln, 2013 eingeführt und 2024 ausgereift. Sein CPU ist ein Instrumentenprozessor (Wind-/Geschwindigkeits-/Tiefenmessung, Berechnung von wahrem Wind, Polaren, VMG, Laylines), der die Regattasteuerungsfunktion integriert — es gibt keinen separaten Autopilot-Rechner wie bei NKE, das CPU steuert das Ruder direkt an. Drei CPU-Stufen:

  • CPU Hydra (~ 1.139 € zzgl. MwSt): Einstiegsmodell für Performance-Kreuzfahrten und Club-Regatten nach IRC.
  • CPU Performance (~ 2.899 € zzgl. MwSt): ernsthafte IRC-Regatten, RORC, feine Polaren.
  • Prozessor Hercules (~ 2.908 € zzgl. MwSt): Amerika-Cup, ultraschnelle Layline-Berechnung, Integration hochwertiger Sensoren.
  • Empfohlene Sensoren: WS720/WS720S/WS730S Ultraschall-3D, Triton²- Displays, Precision-9-Kompass/Lagezentrum.
  • Integration Zeus 3S: Der 12–16-Zoll-Kartenplotter Zeus 3S zeigt Polaren + Laylines + wahren Wind als Overlay auf der Karte an. Europäischer IRC-Regattastandard.

3D-Windsensoren — Leistungsunterschiede

Der Windsensor ist das entscheidende Qualitätskriterium für den Autopiloten. Siehe unseren Vergleich mechanischer vs. Ultraschall-Windsensoren für Segelyachten.

  • NKE 3D HR II: vertikaler Ultraschall-3D-Sensor, 10 Hz, Genauigkeit ±0,3°, native Integration in NKE Toplink.
  • B&G WS720S Ocean spec: vertikaler Ultraschall-3D-Sensor 1,05 m, 10 Hz, Genauigkeit ±0,3°, native Integration in H5000.
  • B&G WS730S Ocean spec: vertikaler Ultraschall-3D-Sensor 1,4 m, 20 Hz, Genauigkeit ±0,3° + Luftdrucksensor.

Auf dem Wasser sind beide Sensoren in der reinen Leistung gleichwertig. Der Unterschied liegt in der nachgelagerten Softwareintegration: NKE Toplink für detaillierte Rennvisualisierung; B&G H5000 + Zeus für nutzerfreundliche Performance-Kreuzfahrten.

Technischer Vergleich

Kriterium NKE Gyropilot 3 (Autopilot-Rechner) B&G H5000 CPU Performance (Instrumentenprozessor + Autopilot)
Art der Zentraleinheit Dedizierter Autopilot-Rechner (an Instrumentenzentrale angebunden) Instrumentenprozessor mit integrierter Regattasteuerung
Preis Zentraleinheit zzgl. MwSt ~ 3.500 € (Gyropilot-3-Rechner) ~ 2.899 € (CPU Performance, inkl. Instrumente + Autopilot)
Antriebskompatibilität Universell B&G-Standard, andere über NMEA 2000
Empfohlener Windsensor NKE 3D HR II WS720S / WS730S
Steuerungsfrequenz 10 Hz 10–20 Hz
Wave-Modus (3D-Wellen) Ja (Marktreferenz) Ja (seit 2022)
Layline in Echtzeit Ja (Toplink) Ja (Zeus-3S-Overlay)
Integrierte Polaren Ja (manuelle Eingabe oder ORC) Ja (Eingabe + ORC-Import)
Dominantes Ökosystem IMOCA, Class40, Mini, Figaro IRC, RORC, Amerika-Cup
Nutzer-Software NKE Toplink B&G-App + Zeus 3S
Kundendienst Frankreich Hennebont (NKE direkt) B&G-FR-Netzwerk
B&G H5000 CPU Performance — Regattasteuerungs-Rechner für IRC
B&G H5000 CPU Performance — Regattasteuerungs-Rechner für IRC

Werkstatturteil nach Regattaprogramm

IMOCA / Class40 / Mini / Figaro / französische Hochseeregatten

NKE Gyropilot 3 dominiert (80 % der französischen Regattaflotte). Integration mit MAD Brain Box von Madintec für automatisierte Strategie. Kosten für ein vollständiges System ~ 12.000–18.000 € zzgl. MwSt inkl. Installation.

IRC / RORC / internationale Hochseeregatten

B&G H5000 CPU Performance dominiert. Integration mit Zeus 3S 12–16" für Layline-/Polaren-/Kursrückmeldung an den Rudergänger. Kosten ~ 8.000–12.000 € zzgl. MwSt.

Amerika-Cup / America’s Cup

B&G Hercules (Prozessor höherwertig als H5000 CPU Performance). Kosten für ein vollständiges System ~ 20.000–40.000 € zzgl. MwSt (inkl. hochwertiger Sensoren).

Performance-Kreuzfahrten (35–50-Fuß-Boote ohne Regattabetrieb)

B&G H5000 CPU Hydra + Zeus 3S + WS320 = ~ 5.500–7.000 € zzgl. MwSt. Für Clubregatten und Hochseetörns mehr als ausreichend.

Integration Madintec + andere Drittanbieter

Das NKE-Ökosystem öffnet sich stark zu Madintec:

Bei B&G ist die Drittanbieter-Integration eingeschränkter — das ist der Preis für das geschlossene Ökosystem. Möglich über NMEA 2000 (Drittanbieter-Sensoren), allerdings mit Verlust der feinen Softwareintegration.

FAQ — Regattasteuerung in der Praxis

Ist NKE mit B&G-Antrieben kompatibel?

Ja, über die MAD-Controller-Schnittstelle von Madintec. Der Gyropilot 3 steuert B&G-Hydraulikantriebe T1/T2 problemlos an. Das ist die offene Flexibilität von NKE.

Kann man während der Saison von B&G H5000 auf NKE umsteigen?

Aufwendig. CPU + Windsensoren + Displays müssen ersetzt werden. Mit 15–25 Werktagen Arbeitszeit und 8.000–12.000 € Materialkosten zu veranschlagen. Besser zwischen zwei Wintersaison umrüsten.

Wave-Modus NKE vs. B&G — gibt es echte Unterschiede?

Der NKE Wave-Modus ist seit 2010 die Marktreferenz mit jahrzehntelanger Feinabstimmung in IMOCA-Regatten. B&G hat 2022 mit eigenem Algorithmus aufgeholt. Auf See hat NKE einen leichten Vorteil in tropischer, bereits stark aufgewühlter See, B&G glänzt in der Nordsee/kürzeren Wellen.

Polaren: manuelle Eingabe oder ORC-Import?

Beide Systeme akzeptieren ORC-Polaren im .pol-Format. Nach jeder Fahrt wird eine manuelle Eingabe zur Feinabstimmung empfohlen (Korrektur realer Abweichungen). NKE Toplink und die B&G-App speichern beide nach Kurs und Bedingungen.

Welche Batterie für den Autopiloten bei einer Transat?

Der Autopilot verbraucht 2–4 A im Kreuzfahrtmodus, 4–8 A im Regattabetrieb bei rauer See. Bei 14 Tagen sind das 1.000–3.000 Ah kumuliert. Siehe unseren Artikel zur Dimensionierung von Lithium-Batterien. Mindestens 400 Ah nutzbare Kapazität speziell für Autopilot + Nebenverbraucher einplanen.

3 konkrete Werkstattfälle — Auswahl Regattasteuerung

Fall 1 — IMOCA Initiatives-Cœur, Komplett-Retrofit 2024

Vollständiges NKE Gyropilot-3-System: Windsensor NKE 3D HR II + Lagezentrum NKE Motion + Display NKE Multigraphic. Kopplung mit MAD Brain Box von Madintec für automatisierte Strategie + MADBrain Super-pilote-Modi. Hardwarekosten ~ 22.000 € zzgl. MwSt (ohne Arbeitszeit). Wave-Modus für Nonstop-Transat um Kap Hoorn konfiguriert — bestätigte Leistung mit 1.200 Ruderzyklen/Stunde in rauer See.

Fall 2 — Class40 Crédit Mutuel (Performance-Kreuzfahrt)

Kombination aus B&G H5000 CPU Performance + Sensoren WS720S + Display Zeus 3S 12 Zoll. Steuerung nativ über H5000, Polaren-Import ORC, Laylines in Echtzeit auf Zeus. Gesamtinstallation ~ 15.000 € zzgl. MwSt. Validierung Rolex Fastnet 2025: Vergleichbare Steuerungsleistung wie NKE in der Nordsee.

Fall 3 — First 36.7 Club-Regatta IRC

Mittelklasse-Lösung: H5000 CPU Hydra (~ 1.140 € zzgl. MwSt) + kabelloser WS320 (~ 449 € zzgl. MwSt) + Triton²-Displays. Gesamtsystem ~ 4.200 € zzgl. MwSt. Regatta Coupe d’Aix 2025: 100 % Steuerungsstandard im Match-Race ohne Eingriff der Crew gehalten.

Ausgeschlossene Alternativen — nicht berücksichtigte Lösungen

  • Raymarine Evolution: Hervorragend für komfortable Kreuzfahrten, unzureichend für Regatten. Fehlende Feinheit bei Polaren- und Layline-Berechnung. Gut für Küsten- und komfortable Hochseetörns, nicht für Regattasegeln.
  • Garmin Reactor 40: Konzipiert für Großfischerei und Motor-Yachten. Gute Steuerungsleistung in der Kreuzfahrt, aber ungeeignet für Regattasegeln jenseits von Club-IRC.
  • DIY-Autopilot mit Arduino/Raspberry: Technisch interessante Bastellösungen, aber ohne Marine-Zertifizierung, ohne Kundendienst, ohne Integration professioneller Sensoren. Für Bastler interessant, nicht für Hochseesicherheit.
  • Autopilot nur auf GPS-Basis (ohne Kompass): Berechnung aus der GPS-Spur = inhärente Verzögerung von 5–10 Sekunden. Unbrauchbar für Regattasegeln.

Entwicklung 2026 — was gibt es Neues bei NKE und B&G

  • NKE: Firmware-Update Gyropilot 3 März 2026 mit neuem Modus „Stabilisierter Wahler Wind“ zur Filterung kurzer Böen — nützlich für wachwechselnde Crews zur Stabilisierung des Rudergefühls.
  • B&G: Einführung H5000 v3.5 mit WindOpt-Polarenimport (proprietärer Algorithmus, der die Polare nach historischem Seegang des Bootes anpasst). Kostenloser Upgrade für bestehende H5000 Performance.
  • Hercules-Prozessor: Geplante Weiterentwicklung 2027 mit Integration von Wind + Strömung + Wellen (Berechnung des „absoluten wahren Winds“ durch Kompensation der lokalen Strömung, gemessen mit differentiellen GPS-Daten).

Skysat vertreibt B&G, NKE Marine Electronics und Madintec. Dieser Artikel basiert auf unserer Erfahrung mit über 30 Regattasteuerungs-Installationen 2020–2026. Preise zzgl. MwSt, Stand 2026 als Händlerangabe.

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