Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Feste VHF Pflicht: Jedes Segelboot, das außerhalb der geschützten Zone (≥ 2 sm von der Küste) fährt, muss eine feste VHF mit ASN/DSC + GPS + registrierter MMSI haben. Dies ist die gesetzliche Grundlage der französischen "Division 240".
- Tragbare VHF als Ergänzung: Nicht Pflicht, aber auf hoher See unverzichtbar (Backup + Nutzung im Beiboot/Rettungsinsel). Die ICOM IC-M94DE (374 €) mit GPS + AIS-RX + DSC ist die Referenz.
- AIS Klasse B SOTDMA: Premium-Upgrade gegenüber Klasse B CSTDMA. Sendeleistung 5 W (vs. 2 W), priorisierter Kanalzugriff, Latenz 5 s (vs. 30 s). Sichtbarkeit im Rennbetrieb und in stark befahrenen Zonen.
- Essentielle Kombination 2026: Feste VHF mit AIS Klasse B SOTDMA + integriertem GPS (B&G V60-B + GPS-500 = 1.154 € zzgl. MwSt.) + tragbare VHF mit AIS-RX. In der Küstenfahrt unverzichtbarer als ein EPIRB.
- Werkstatturteil: Für 80 % der Segelboote von 30–45 Fuß ist die Kombination B&G V60-B + GPS-500 (1.154 €) + ICOM IC-M94DE tragbar unser Standard. Gesamtbudget ca. 1.530 € zzgl. MwSt.
Die Marine-VHF ist die Nr. 1 der Kommunikationsgeräte. Vor Satellitentelefon, EPIRB und Küsten-4G. Sie ist der einzige Kanal, der direkte Kommunikation mit anderen Schiffen, einer Küstenfunkstelle oder einem CROSS ermöglicht und eine koordinierte Reaktion in der europäischen Rettungskette auslöst.
Dieser Artikel unterscheidet die beiden Bauformen (fest vs. tragbar), erklärt die AIS-Klassen (A vs. B vs. B-SOTDMA), stellt die bei Skysat vertriebenen Marken vor und gibt ein Werkstatturteil nach Programm. Für ergänzende Notfallbaken (EPIRB / PLB / MOB) siehe EPIRB vs. PLB vs. AIS MOB — Wie wählt man die richtige Notbake für ein Segelboot?.
Rechtlicher Rahmen FR — Division 240 und VHF-Pflichten
Die Division 240 schreibt für Segelboote ≤ 24 m vor:
- Geschützte Zone (≤ 2 sm von der Küste): Keine VHF Pflicht (Ausnahmefälle).
- Küstenzone (2–6 sm): Feste VHF mit ASN (DSC) dringend empfohlen.
- Halbhohe Zone (6–60 sm): Feste VHF mit ASN Pflicht + registrierte MMSI bei der ANFR.
- Hohe See (> 60 sm): Feste VHF mit ASN + internes GPS + AIS-RX Pflicht + EPIRB 406 MHz.
Die MMSI-Registrierung (Maritime Mobile Service Identity) ist kostenlos über die ANFR möglich und dauert 10 Minuten online. Ohne registrierte MMSI ist ASN/DSC nutzlos — man kann zwar anrufen, aber niemand weiß, wer anruft.
Feste VHF — Funktionen und vertriebene Marken
Eine moderne feste VHF aus dem Jahr 2026 integriert vier Standardfunktionen: Sprachfunk, ASN/DSC (Digitaler Selektivruf), AIS-RX (Empfang von AIS-Zielen) und internes GPS (autonom). Premium-Versionen bieten zusätzlich AIS-TX (AIS-Senden = Transponder Klasse B).
B&G V60 — Grundlegender AIS-Empfang
Die B&G V60 AIS-RX (723 €) ist die Einstiegs-VHF mit ASN, internem GPS und AIS-Empfang. Man sieht andere AIS-Booten, wird aber nicht von ihnen gesehen. Geeignet für Standard-Küstenfahrten.
B&G V60-B — Integrierter AIS-Transponder Klasse B
Die B&G V60-B (1.049 €) bietet zusätzlich AIS-Senden Klasse B (CSTDMA, 2 W). Man sieht andere und wird gesehen. Der gute Kompromiss für die Mehrheit der Segelboote von 30–50 Fuß für Hochseetörns.
B&G V60-B + GPS-500 — Komplettlösung
Das Paket V60-B + GPS-500 (1.154 €) trennt den GPS-Empfänger von der VHF-Einheit — nützlich, wenn die VHF unter Deck installiert ist und eine externe GPS-Antenne im Cockpit für besseren Empfang benötigt wird. Unser Werkstattstandard bei Refits von Segelbooten ab 35 Fuß.
Tragbare VHF — Backup und Beiboot/Rettungsinsel
Die tragbare VHF ist nicht Pflicht, wird aber unverzichtbar, sobald man den Steg verlässt. Drei typische Anwendungen:
- Backup für die feste VHF: Bei Stromausfall oder Havarie, wenn die feste VHF nicht mehr funktioniert.
- Kommunikation im Beiboot / Rettungsinsel: Im Beiboot beim Ankern oder in der Rettungsinsel nach einer Havarie.
- Kommunikation mit der Crew an Land: Hafenmeister, Küstenfunkstelle, andere Crews im Hafen.
ICOM IC-M94DE — Die Referenz für tragbare VHF 2026
Die ICOM IC-M94DE (374 €) ist unsere Werkstattreferenz für tragbare VHF. Integriert internes GPS, ASN/DSC, AIS-RX und ist wasserdicht bis IPX8 (schwimmfähig). Praktische Akkulaufzeit 10–12 h im Standby + 1 h Sendezeit. Die tragbare VHF, die wir 2026 bei allen Hochseetörns-Refits einbauen.
AIS Klasse A vs B vs B-SOTDMA
Das AIS (Automatic Identification System) sendet auf zwei dedizierten VHF-Kanälen (161,975 und 162,025 MHz). Nicht alle Transponder sind gleich.
Klasse A — Pflicht für gewerbliche Schiffe
Pflicht für Handelsschiffe (SOLAS). Sendeleistung 12,5 W, Latenz 2–10 Sekunden je nach Geschwindigkeit. Nicht relevant für die Freizeitschifffahrt (außer bei Megayachten > 300 GT).
Klasse B CSTDMA — Einstiegsmodell für Freizeitschifffahrt
Der historische Standard für die Freizeitschifffahrt. Sendeleistung 2 W, Latenz 30 Sekunden in stark befahrenen Zonen (Kanalzugriffskonkurrenz mit Klasse A). Das Boot wird gesehen, aber die Positionsaktualisierung erfolgt langsam.
Klasse B SOTDMA — Das Premium-Upgrade 2026
Neue Norm seit 2018, seit 2022 weit verbreitet. Sendeleistung 5 W, garantierte Latenz 5 Sekunden, priorisierter Kanalzugriff. In stark befahrenen Zonen (Ärmelkanal, Golf von Biskaya, Mittelmeer im Sommer) ein signifikanter Upgrade: Die eigene Position wird 6× schneller aktualisiert und man wird aus der doppelten Entfernung gesehen.
Upgrade-Kosten B → B SOTDMA: ca. 150–200 € zzgl. MwSt. bei vergleichbarem Material. Für die Mehrheit der Renn- und Hochseetörns-Segelboote 2026 die richtige Wahl.
Vergleichstabelle der Modelle 2026
| Modell | Typ | AIS | Internes GPS | Wasserdichtigkeit | Preis zzgl. MwSt. |
|---|---|---|---|---|---|
| B&G V60 | Fest | Nur RX | Ja | IPX7 | 723 € |
| B&G V60-B | Fest | Klasse B CSTDMA RXTX | Ja | IPX7 | 1.049 € |
| B&G V60-B + GPS-500 | Fest + externe GPS-Antenne | Klasse B CSTDMA RXTX | Ja (separat) | IPX7 | 1.154 € |
| ICOM IC-M94DE | Tragbar | Nur RX | Ja | IPX8 (schwimmfähig, schwimmt) | 374 € |
Werkstatturteil nach Programm
Küstenfahrt (≤ 6 sm)
Mindestausstattung laut Vorschrift: Feste VHF mit ASN, z. B. B&G V60 (723 €). AIS-TX nicht zwingend nötig (man sieht andere, muss aber nicht gesehen werden). Gesamtkosten: ca. 800 € zzgl. MwSt. inkl. Installation.
Hochseetörns (6–60 sm)
Empfohlen: Feste VHF mit AIS Klasse B = B&G V60-B (1.049 €) + tragbare VHF ICOM IC-M94DE (374 €). Man wird von Fähren, Frachtern und anderen Segelbooten gesehen. Gesamtkosten: ca. 1.530 € zzgl. MwSt.
Transatlantik / Ozean (> 60 sm)
Feste VHF mit AIS Klasse B + externem GPS = B&G V60-B + GPS-500 (1.154 €) + 2 tragbare VHF ICOM (eine pro Crewmitglied + 1 in der Rettungsinsel). Gesamtkosten: ca. 2.000 € zzgl. MwSt.
Regattasegeln
AIS Klasse B SOTDMA Pflicht (Upgrade ca. 200 €, falls das Basismodell CSTDMA ist). Schwimmfähige tragbare VHF pro Crewmitglied (3–4 Einheiten). Gesamtkosten: ca. 2.500–3.000 € zzgl. MwSt.
5 häufige Installationsfehler
VHF-Fehler — Beobachtet in der Skysat-Werkstatt
- MMSI nicht registriert. Die VHF ist installiert, angeschlossen, konfiguriert — aber die MMSI wurde nie bei der ANFR registriert. ASN/DSC funktioniert technisch, aber keine Rettungsstelle kann das Boot identifizieren. Fehler bei 1 von 3 Installationen im Check-up. Registrierung kostenlos, online, dauert 10 Minuten.
- VHF-Antenne falsch montiert. Eine VHF-Antenne auf einem Segelboot muss an der Mastspitze montiert sein (maximale Reichweite). Auf dem Heckbalkon oder dem Pardunen montiert, sinkt die Reichweite von 20 sm auf 5 sm. Alle Reichweitenberechnungen (Formel 1,22 × √Antennenhöhe) setzen die Antenne an der Mastspitze voraus. Siehe unseren Leitfaden zur VHF-Antenne auf Segelbooten.
- Koaxialkabel unterdimensioniert. Bei 18 m Mast verliert ein RG58-Kabel 6 dB (75 % der Leistung), ein RG213 verliert 2 dB (35 %). Auf Segelbooten immer RG213 oder Belden 9913 verwenden, nie RG58. Wasserdichte Steckverbinder Pflicht.
- Internes GPS deaktivieren und externes GPS über N2K nutzen. Theoretisch funktioniert es. Praktisch verliert die VHF bei einem N2K-Netzwerkausfall ihr GPS und kann keine Position in einem ASN senden. Immer das interne GPS als Backup aktiviert lassen.
- ASN nicht jährlich testen. Der ASN-Testruf (Kanal 70) muss mindestens einmal pro Jahr, idealerweise vor jeder Saison, durchgeführt werden. Ohne Test entdeckt man am Tag J, dass die Funktion nicht funktioniert. Vorgehen: VHF-Menü → ASN-Test → Kanal 70 wählen → senden. Erwartete Antwort: visuelle Bestätigung + ggf. Empfangsbestätigung durch CROSS.
FAQ — VHF + AIS in der Praxis
Braucht man eine Lizenz für die Nutzung der Marine-VHF?
Ja, der CRR (Certificat Restreint de Radiotéléphoniste) ist in Frankreich für das Senden mit einer Marine-VHF Pflicht. Theoretische Prüfung bei der ANFR, 80 € zzgl. MwSt., lebenslang gültig. Für reines Empfangen ohne Senden ist keine Lizenz erforderlich. Praktisch ist der CRR ab dem ersten Sendebetrieb (z. B. Anruf an die Hafenmeisterei) Pflicht.
Praktische Reichweite einer Segelboot-VHF vs. Frachter?
Die VHF-Reichweite folgt der Norton-Formel: Reichweite in sm ≈ 1,22 × (√H_Sender + √H_Empfänger). Segelboot 15 m Mast (Antenne auf 17 m) → Frachter 30 m (Antenne auf 35 m) → praktische Reichweite 12 sm. Segelboot zu Segelboot (zwei 17 m) → 10 sm. Segelboot zu Küstenfunkstelle (Antenne 80 m) → 16 sm. Für die meisten Küstenfahrten mehr als ausreichend.
AIS über Smartphone via Bluetooth — zuverlässig?
Für die Visualisierung ja. Die meisten modernen AIS-Gateways (B&G V60-B, ICOM IC-M94DE) übertragen AIS-Daten per Bluetooth oder WLAN an Tablet-/Smartphone-Apps (Aquamap, Navionics, Weather4D etc.). Für kritische Sicherheitssituationen (Kollisionsvermeidung) immer einen dedizierten Multifunktionsplotter nutzen — das Tablet kann sich entladen, abstürzen oder in der Kabine liegen bleiben. Redundanz ist Pflicht.
Unterschied Kanal 16 vs. Kanal 70 ASN?
Kanal 16 (156,800 MHz) = internationaler Notruf- und Anruffrequenzkanal. Hier spricht man z. B. „MAYDAY MAYDAY MAYDAY“ im Notfall. Kanal 70 (156,525 MHz) = ASN/DSC-Kanal = automatisierter digitaler Ruf. Effektiver in lauten Zonen, da kein manuelles Mithören durch andere Schiffe nötig ist — der DSC-Empfänger schaltet sich automatisch ein. Praktisch: DSC auf Kanal 70 senden UND per Sprache auf Kanal 16 anrufen = doppelte Sicherheit.
Braucht man eine VHF DSC Klasse D oder Klasse A?
DSC Klasse A = Pflicht für SOLAS-Handelsschiffe (Frachter, Fähren, Passagierschiffe). DSC Klasse D = Freizeitschifffahrt und Fischerei. Alle modernen festen VHF für die Freizeitschifffahrt (B&G V60-B, ICOM IC-M93, Raymarine Ray73) sind DSC Klasse D. Kaufen Sie keine Klasse A für die Freizeitschifffahrt — teurer und komplexer ohne Nutzen.
Tragbare VHF: wasserdicht oder schwimmfähig?
„Wasserdicht“ kann von IPX4 (spritzwassergeschützt) bis IPX8 (tauchfähig) reichen. Für eine Segelboot-VHF mindestens IPX7 (30-minütige Immersion bei 1 m Wassertiefe) und idealerweise IPX8 mit Schwimmfähigkeit (z. B. ICOM IC-M94DE schwimmt). Eine VHF, die ins Wasser fällt und nicht schwimmt, kostet 374 € bis 800 €. Die Investition von +50 € für Schwimmfähigkeit ist verschwindend gering.
Welche Antennenhöhe maximiert die Reichweite?
Die VHF-Reichweite ist nahe an der optischen Sichtlinie. Bei einem Segelboot mit 10 m Mast (Antenne an der Mastspitze auf 12 m) beträgt die Reichweite zu einer Küstenfunkstelle mit 80 m Antenne ca. 15 sm. Bei 15 m Mast (17 m Antenne) zur gleichen Küstenfunkstelle ca. 17 sm. Die Verdopplung der Höhe bringt nur ca. 15 % mehr Reichweite — die Investition ist marginal. Besser: eine hochwertige 1-m-Antenne korrekt an der Mastspitze montiert als eine 3-m-Antenne am Heckbalkon.
Skysat ist autorisierter Händler von B&G, ICOM, Raymarine und Navico. Dieser Artikel basiert auf unserer Erfahrung mit VHF-Ausstattung bei über 150 Segelbooten zwischen 2020 und 2026, sowohl in der Küstenfahrt als auch im Regattasegeln. Die Preise 2026 zzgl. MwSt. sind Richtpreise für autorisierte Händler, exklusive MMSI-Registrierung (kostenlos bei der ANFR) und exklusive spezifische Verkabelung.

